Korrupte Version von CCleaner überträgt an 2,27 Millionen Nutzer Schadsoftware

Bei dem CCleaner-Virus handelt es sich um eine korrupte Version der weit bekannten Anti-Malware CCleaner. Mit einem APT-Angriff (Advanced Persistent Threat), einem zielgerichteten Angriff auf kritische Sicherheitslücken, konnten die Angreifer das Distributionsnetzwerk der Firma verletzen und ihre Schadsoftware in die signierte Version CCleaner 5.33 einbetten.
Die Schadsoftware, die mit dem Namen Floxif-Trojaner getauft wurde, hat über 2 Millionen Nutzer glauben gemacht, dass sie eine valide Version von CCleaner (v5.33) und CCleaner Cloud (v1.07.3191) herunterladen. Der Angriff begann am 15. August und dauerte bis zum 15. September an, wo Sicherheitsexperten das Verbrechen endlich aufdeckten.
Update 28. September 2017. Obwohl Avast, der jetzige Inhaber des von Piriform erstellten Tools, bekannt gegeben hat, dass die Schadsoftware beseitigt wurde, scheinen die Cyberkriminellen ihren Angriff fortgesetzt zu haben. Die erste Phase des Angriffs ließ vermuten, dass die Endnutzer das eigentliche Ziel waren. Der Floxif-Trojaner, der sich wie eine Backdoor verhält, wurde nämlich erstellt, um Informationen über seine Opfer zu sammeln und die Daten an einen entfernten Server zu senden.
Allerdings stürzte die Datenbank aufgrund der Überlastung des Servers ab. Das führte letzten Endes dazu, dass die Entwickler der Schadsoftware die Datenbank wiederherstellten und eine zweite Angriffsphase einleiteten. Die zweite Phase offenbarte, dass die Endnutzer lediglich ein Glied in der Kette waren, um große Unternehmen anzuvisieren, wie bspw. Microsoft, Sony, Samsung, Cisco, VMware, D-Link, Linksys und HTC.
Eine neulich durchgeführte Untersuchung ergab, dass in der Zeitspanne von 4 Tagen über 700 000 Geräte infiziert wurden und mindestens 20 Firmen mit zusätzlicher Schadsoftware anvisiert worden sind. Vor allem sind Telekommunikationsfirmen und soziale Netzwerke ein Ziel. Firmen in Japan und Taiwan meldeten mit jeweils 10 und 13 infizierten Computern die höchste Anzahl an Infizierungen.
Die wichtigsten Fakten über die Piriform-Schadsoftware (Floxif):
- Der Floxif-Trojaner wurde in der 32-Bit-Version von CCleaner v5.33.6162 und CCleaner Cloud v1.07.3191 eingebettet. Die Angreifer speisten die Schadsoftware in der ausführbaren Datei, bekannt als CCleaner.exe, ein.
- Die schädliche Version war zwischen dem 15. August 2017 und 15. September 2017 als Download öffentlich verfügbar. Der Inhaber der Software meldete, dass die korrupte Optimierungssoftware von etwa 2,27 Millionen Nutzern auf dem Computer installiert und genutzt worden ist.
- Die kompromittierte Version installierte auf den Computer eine Backdoor, um bestimmte Informationen an C&C-Server zu übertragen.
- Infizierten Nutzern wird geraten die Software unmittelbar zur Version 5.34 zu aktualisieren und Passwörter, sowie andere sensible Daten, die in die Hände der Kriminellen gefallen sein könnten, zu ändern.
- Die Hacker werden mit zwei IP-Adressen in Verbindung gebracht: 216.126.225.163 und 216.126.225.148.
Untersuchungen legen nahe, dass das Aktualisieren wahrscheinlich nicht ausreichend ist, da weitere Auswirkungen der Schadsoftware entdeckt worden sind. Opfern wird daher die Wiederherstellung des Computers mithilfe von Back-ups geraten, um die Schadsoftware vollständig zu beseitigen.
Die kompromittierte Version von CCleaner (v5.33) enthielt schädliche Nutzdaten, die einen Algorithmus zum automatischen Generieren von Domains zur Kommunikation mit C&C-Servern umfassten. Der Virus nutzte die Verbindung, um alle möglichen Daten zu übertragen, darunter gehören unter anderem:
- Computername
- Liste von installierten Programmen
- Liste von Netzwerkadaptern
- Einzigartige IDs
- Liste aktiver Prozesse
Um den Computer zu schützen und den CCleaner-Virus zu entfernen, muss man unbedingt SOFORT von CCleaner v5.33 zu v5.34 wechseln. Die Auswirkungen der Schadsoftware sind groß. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Software pro Monat 2 Milliarden Downloads erzielt, hätte die Situation noch viel schlimmer sein können.

Die kompromittierte Version von CCleaner könnte außerdem weitere Schadsoftware in den Computer eingeschleust haben (Berichten zufolge hat sie die Fähigkeit hierzu). Wir empfehlen aus diesem Grund den Computer mit einer Anti-Malware zu scannen und damit die Reste des Floxif-Trojaners und alle weiteren gefährlichen Programme in einem Zuge zu entfernen. FortectIntego oder MalwarebytesMalwarebytes kann hierbei behilflich sein.
CCleaner-Schadsoftware beginnt mit zweiter Mission
Forscher von Talos Intelligence haben einen zweiten Effekt des CCleaner-Virus gemeldet, wo eine begrenzte Zahl von prominenten Tech-Firmen im Visier sind. Basierend auf den Domains scheinen die Kriminellen es auf die derzeitigen Tech-Giganten abgesehen zu haben, einschließlich:
Akamai, Intel, Microsoft, Google, Samsung, Sony, VMware, HTC, Linksys, D-Link, Cisco.
Die zweite Phase beginnt mit einem Installer namens bGeeSetup_x86.dll. Sobald aktiviert, bestimmt er die Version des Systems (32- oder 64-Bit) und schleust dann einen Trojaner ein. Der Trojaner für die 32-Bit-Version heißt TSMSISrv.dll, die 64-Bit-Version hingegen heißt EFACli64.dll. Es hat den Anschein, dass die Angreifer geistiges Eigentum der gelisteten Tech-Firmen stehlen wollten.
Die Übertragung der Trojaner-Backdoor
Wie wir zuvor angegeben haben, wurden die Server von CCleaner durch einen Cyberangriff beeinträchtigt, wodurch die Schadsoftware für alle zugänglich waren, die die Software von der Piriform-Webseite heruntergeladen haben.
Die berüchtigte Version 5.33 wurde am 15. August 2017 veröffentlicht. Von diesem Tage an luden Nutzer unwissentlich eine schädliche Version von CCleaner herunter.
Zondervirus.nl warnt davor, dass Nutzer, die die Software zwischen dem 15. August 2017 und 15. September 2017 aktualisiert haben, ebenfalls von der Schadsoftware betroffen sein können.
Ist CCleaner sicher?
CCleaner von Piriform selbst ist KEIN Virus. Es ist eine absolut legitime Software, aber böswilligen Angreifern ist es mit illegalen Methoden gelungen in die Server der Firma einzudringen und in die signierte Software schädliche Skripts einzuspeisen.
Als Sicherheitsexperten den Virus entdeckten, hat Avast offiziell Stellung genommen und Nutzer und Firmen dringendst darum gebeten CCleaner zur Version 5.34 zu aktualisieren. Es gibt derzeit immer noch nicht genügend Informationen darüber, wie die Angreifer den Angriff fortsetzen konnten.
Um sicher zu gehen, dass der Computer vor Schadsoftware geschützt ist, deinstallieren Sie CCleaner, scannen Sie das System mit MalwarebytesMalwarebytes oder einer anderen gewünschten Sicherheitsanwendung und installieren Sie CCleaner 5.34. Im Folgenden erklären wir, wie man die CCleaner-Schadsoftware beseitigt.
CCleaner-Virenentfernung durchführen
Forscher weisen darauf hin, dass es vermutlich nicht ausreicht einfach zur Version 5.34 upzugraden. Da weitere schädliche Nutzdaten entdeckt worden sind, empfehlen wir den Computer von Grund aus zu bereinigen.
Am besten stellen Sie den Computer durch ein früher angefertigtes Back-up (vor der Installation der Schadsoftware datiert) wieder her und scannen ihn anschließend mit einer Anti-Malware. Eine Anleitung für die Bereinigung des Computers ist unten aufgeführt.
Sobald Sie CCleaner entfernt haben, müssen Sie die Konten, die Sie während der Infizierung benutzt haben, unbedingt sichern. Wir empfehlen hierbei alle Passwörter zu ändern. Am besten von einem Gerät, das nicht kompromittiert wurde, wie idealerweise einem Handy.
War diese Anleitung hilfreich?
Schreiben Sie den ersten Kommentar